„The Great Wall“ im Nordamerikanebel
Unser aktuelles Bild des Monats zeigt eine eindrucksvolle Struktur im Nordamerikanebel (NGC 7000), einem riesigen Emissionsnebel im Sternbild Schwan. Die hier gezeigte Region wird wegen ihrer Form oft „The Great Wall“ genannt – eine Art leuchtende, „kosmische Mauer“, die sich durch den Nebel zieht. Sie ist Teil der hellsten Zone des Nebels und erinnert mit etwas Fantasie an die Silhouette von Mittelamerika.
Der Nordamerikanebel selbst liegt etwa 2.000 Lichtjahre von der Erde entfernt und enthält riesige Wolken aus Wasserstoffgas, die durch junge, heiße Sterne zum Leuchten angeregt werden. Das rote Leuchten auf dem Bild stammt vor allem vom sogenannten H-alpha-Licht – einer speziellen Wellenlänge, die entsteht, wenn angeregter Wasserstoff wieder in seinen Grundzustand zurückkehrt. Mit bloßem Auge ist der Nebel kaum sichtbar, aber mit speziellen Filtern und Kameras lässt sich seine Struktur eindrucksvoll abbilden. Die „Wall“ ist kein festes Objekt, sondern ein räumlicher Eindruck, der durch Tiefenstruktur, Gasverteilung und Licht entsteht – eine Art optische Illusion im All, entstanden durch dreidimensional verteiltes Material, das wir zweidimensional abbilden.
Was macht dieses Bild besonders?
Die feinen Strukturen und dunklen Staubbänder innerhalb der „Wall“ zeigen, wie chaotisch und dynamisch Sternentstehungsgebiete sind. Die Dunkelzonen sind dabei keine Löcher, sondern dichte Staubwolken, die das Licht dahinter blockieren – also quasi kosmischer Schattenwurf.
Fun Fact:
Würde man sich mit Lichtgeschwindigkeit von einem Ende der „Great Wall“ zum anderen bewegen, bräuchte man rund 15 Jahre! Dabei reden wir nur von einem kleinen Ausschnitt des gesamten Nebels.
Mit einem Jet würde man über 30 Millionen Jahre brauchen, um sie zu durchfliegen – ohne Tankpause!